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Temporärpersonal9 Min. Lesezeit

Temporär vs. Festanstellung: Wann welche Lösung die richtige ist

Von
Stephanie Dold

Stephanie Dold

Client & Project Manager Staffing

kyo GmbH

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·

Eine Festanstellung kostet nicht CHF 65'000 Brutto pro Jahr, sondern CHF 88'000 bis 96'000 inklusive aller Nebenkosten. Temporärpersonal kostet nur, wenn es gebraucht wird. Hier erfährst du, wann welches Modell wirklich gewinnt.

Temporär vs. Festanstellung: Wann welche Lösung die richtige ist

Die falsche Frage, die sich alle stellen

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Eventunternehmen mit 30 Events pro Jahr stellt 2 Eventkoordinatorinnen fest an, auf CHF 75'000 Bruttolohn je Person. Dazu Supervisor, Hostessen und Servicepersonal für jeden Event: temporär. Im dritten Jahr merkt die Geschäftsführung, dass sie für die Festangestellten CHF 210'000 pro Jahr zahlt, auch in den 6 Wochen Sommer, wenn kaum Events stattfinden. Und dass das Temporärbudget trotzdem stetig wächst, weil die Fixkosten nicht einmal den Mindestbedarf decken. Kein böser Wille. Nur eine Frage, die nie richtig gestellt wurde.

Temporär oder fest angestellt: Das klingt nach einer klaren Entweder-oder-Entscheidung. Es ist keine. Die richtige Frage lautet: Welche Art von Arbeit braucht Kontinuität, und welche braucht Flexibilität? Um diese Frage richtig zu beantworten, muss man verstehen, was jedes Modell wirklich kostet und was es wirklich liefert.

CHF 88'000+
Reale Kosten einer Festanstellung

Bei CHF 65'000 Bruttolohn liegen die tatsächlichen Arbeitgeberkosten bei CHF 88'000 bis 96'000 pro Jahr, inklusive aller Sozialversicherungen und Nebenleistungen.

Was eine Festanstellung wirklich kostet

Der Bruttolohn ist der sichtbare Teil. Was darunter liegt, überrascht viele, die zum ersten Mal eine Kalkulation machen. Eine Mittelposition in der Schweiz mit CHF 65'000 Bruttolohn sieht auf der Arbeitgeberseite so aus:

  • Bruttolohn: CHF 65'000
  • AHV/IV/EO/ALV Arbeitgeberanteil: ca. CHF 7'000
  • Pensionskasse Arbeitgeberanteil: ca. CHF 5'000 bis 7'000
  • SUVA (Berufsunfall) und Nichtberufsunfall: ca. CHF 1'500
  • Krankentaggeld Arbeitgeberanteil: ca. CHF 1'000
  • Ferien (20 bis 25 Tage): ca. CHF 5'000 bis 6'500
  • Weiterbildung, Onboarding, Infrastruktur: CHF 3'000 bis 8'000

Gesamtkosten: CHF 88'000 bis 96'000 pro Jahr. Für besser bezahlte Stellen nähert sich die Zahl CHF 120'000. Dazu kommen Kündigungsfristen von zwei bis drei Monaten, die du in Leerlaufphasen trotzdem bezahlst.

Das ist nicht alles. Zwei weitere Faktoren werden regelmässig vergessen: Das Risiko der Lohnfortzahlung bei Krankheit, das in der Schweiz nach Dienstjahren steigt. Und die Opportunitätskosten einer Fehlbesetzung: Wenn eine Festanstellung nach sechs Monaten nicht funktioniert, kostet die Auflösung mehrere Monatslöhne an Zeit, Energie und juristischem Aufwand.

Achtung

In der Schweiz gilt das Obligationenrecht für Kündigungen. Je nach Dienstjahren und Vertrag kann eine Kündigung eine Frist von einem bis drei Monaten bedeuten. In diesen Monaten zahlst du den vollen Lohn, auch wenn die Person nicht mehr produktiv arbeitet.

Was Temporärpersonal wirklich kostet

Beim Personalverleih zahlst du einen Stundenansatz. Dieser enthält: den Lohn der Person, alle Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil), Ferienanspruch, Krankentaggeld und die Agenturmarge für Rekrutierung, Administration und Backup-Kapazität.

Du bezahlst ausschliesslich geleistete Stunden. Kein Einsatz bedeutet keine Kosten.

CHF 28-45
Stundenansatz Eventpersonal Schweiz

Je nach Profil, Qualifikation und Einsatzkontext. Mehrsprachige Fachleute und Supervisoren kosten entsprechend mehr.

Konkrete Beispielrechnung: Du brauchst 150 Einsatztage im Jahr mit durchschnittlich 9 Stunden. Bei CHF 35 pro Stunde sind das CHF 47'250. In Jahren mit 80 Einsatztagen zahlst du CHF 25'200. In Jahren mit 220 Einsatztagen zahlst du CHF 69'300. Deine Kosten folgen deinem Umsatz. Das ist der entscheidende Unterschied zur Festanstellung.

Was der Stundenansatz nicht enthält: den internen Koordinationsaufwand, das Briefing, das Management der Zusammenarbeit mit der Agentur. Das sind reale Kosten, die du einkalkulieren musst. Aber sie skalieren nicht linear mit der Einsatzzahl, wenn du mit einer Agentur arbeitest, die dich kennt.

Der direkte Vergleich: Wann gewinnt welches Modell?

Festanstellung gewinnt wenn...

Bedarf konstant über 200 Tage/Jahr. Person trägt unternehmenskritisches Wissen. Langfristige Kundenbeziehungen gehören zum Job. Investition in Einarbeitung zahlt sich über mehrere Jahre aus. Kontinuität ist direkt qualitätsrelevant.

Temporär gewinnt wenn...

Bedarf schwankt saisonal oder nach Auftragslage. Einsätze haben klaren Start und Ende. Mehrere Peaks pro Jahr mit Leerlauf dazwischen. Testen, ob eine Rolle dauerhaft sinnvoll ist. Schneller Einstieg ohne langen Rekrutierungsprozess nötig.

Für Events und Messen ist die Antwort fast immer klar: Das operative Einsatzpersonal, also Hostessen, Servicekräfte, Promotionspersonal, Empfang, Loungebetreuung, gehört temporär gebucht. Der Bedarf ist projektbasiert. Jede Messe hat einen Anfang und ein Ende. Jede Produktlancierung hat eine Laufzeit. Wer für diese Aufgaben Festangestellte beschäftigt, bezahlt sie auch in den Wochen dazwischen.

Die vier Situationen, in denen Temporär klar gewinnt

Es gibt vier Muster, in denen Temporärpersonal strukturell die bessere Lösung ist:

  1. Saisonalität: Im Herbst drei Messen hintereinander, im Frühling nichts. Ein fixes Team für die Peaks bedeutet sechs Monate Leerlauf auf festem Lohnkonto.
  2. Peaks über Kernkapazität: Dein Kernteam kann den Regelbetrieb tragen. Ein Grossevent darüber hinaus braucht 20 zusätzliche Hände. Temporäre füllen diese Lücke exakt, ohne dass du danach Stellen abbauen musst.
  3. Definierte Projekte: Produktlancierung, Pop-up-Store, Pilotprojekt. Klarer Start, klares Ende. Das ist strukturell identisch mit dem Temporärmodell.
  4. Testphase: Du prüfst, ob eine Rolle dauerhaft Sinn ergibt. Temporär ist die risikoarme Variante. Wenn die Rolle sich bewährt, kannst du intern aufbauen oder mit der Agentur eine Übernahme vereinbaren.

Schweizer Recht: Was du als Auftraggeber wissen musst

Bei der Festanstellung trägst du volle arbeitgeberseitige Verantwortung: Kündigung nach OR, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung nach Dienstjahren, Weiterbildungspflichten, Arbeitszeugnis. Das Arbeitsverhältnis ist direkt und bilateral zwischen dir und der Person.

Beim Personalverleih ist die Agentur der formale Arbeitgeber. Du schliesst einen Einsatzvertrag mit der Agentur. Du übst das Weisungsrecht in betrieblichem Rahmen aus. Lohnzahlung, Sozialversicherungen, Kündigung und Arbeitgeberpflichten liegen vollständig bei der Agentur.

Wichtig: Nach 3 Monaten Einsatz derselben temporären Person bei dir greift der Equal Pay-Grundsatz aus dem GAV Personalverleih. Die Person muss gleich entlohnt werden wie eine vergleichbare Festangestellte. Das ist gesetzliche Pflicht, keine Kulanz. Plane längere Einsätze entsprechend ein.

Das Arbeitsvermittlungsgesetz (AVG) reguliert, welche Agenturen Personalverleih anbieten dürfen. Bewilligungen werden kantonal ausgestellt und gelten schweizweit. Prüfe bei jeder Agentur, ob sie die gültige AVG-Bewilligung hat. Das ist dein Basisschutz als Auftraggeber.

Was die Mitarbeitenden selbst denken

Das Bild des Temporären als Verlierer ist überholt. In der Schweiz wählen viele Fachleute bewusst Temporärarbeit. Besonders in der Event- und Messewelt gilt: Viele Hostessen, Servicekräfte und Promotionsspezialisten schätzen die Abwechslung, die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen und Formate kennenzulernen, und die Flexibilität in der Lebensplanung.

Gleichzeitig gibt es reale Nachteile: weniger Jobsicherheit, fehlende Karriereperspektiven innerhalb desselben Unternehmens, teils geringere Sozialleistungen als bei langfristigen Festangestellten. Wer als Auftraggeber gut mit Temporären zusammenarbeiten will, tut gut daran, das anzuerkennen und faire Bedingungen zu schaffen.

330'000
Temporärstellen pro Jahr in der Schweiz

Laut SECO arbeiten rund 330'000 Personen jährlich in der Temporärarbeit. Das ist kein Randphänomen, es ist ein vollwertiges Arbeitsmodell.

Die Hybridstrategie: Das Modell, das in der Praxis gewinnt

Die meisten erfolgreichen Event-Unternehmen fahren mit einem hybriden Ansatz. Das Kernteam ist fest angestellt: Eventleitung, Accountmanagement, Projektkoordination, kaufmännische Verwaltung. Diese Rollen brauchen Kontinuität. Sie bauen Kundenbeziehungen auf. Sie tragen institutionelles Wissen.

Alles, was über dieses Kernteam hinausgeht, wird flexibel über Agenturen abgedeckt. Das können 20 Personen für eine dreitägige Messe sein. Oder zwei Personen für ein Popup-Event. Oder 50 Personen für einen Jahresevent. Die Fixkostenbasis bleibt schlank. Das Einsatzvolumen skaliert mit dem Auftragsvolumen.

Das Kernteam trägt die Strategie. Temporäre tragen die Kapazität. Beide brauchen einander. Wer nur auf Temporäre setzt, verliert institutionelles Wissen. Wer nur auf Festangestellte setzt, verliert Flexibilität. Die Kombination gewinnt.

Wie gross ist das ideale Kernteam? So gross, dass es das Minimalvolumen trägt, nicht das Maximalvolumen. Wenn du im schlechtesten Monat des Jahres 8 Personen brauchst und im besten 40, dann ist das Kernteam auf 8 ausgerichtet. Die restlichen 32 sind temporär.

Langfristige Personalstrategie: Was du aufbauen solltest

Die Beziehung zur Agentur ist eine strategische Partnerschaft, kein Spotmarkt. Je besser die Agentur dich und deine Anforderungen kennt, desto besser das Personal, das sie dir schickt. Das aufzubauen dauert ein bis zwei Jahre mit regelmässigen Einsätzen und konsequentem Feedback.

Was eine gute Agenturbeziehung dir langfristig bringt: einen Stammpool von Personen, die deine Abläufe kennen, Priorität bei der Profil-Zuweisung in der Hochsaison, frühere Verfügbarkeiten, wenn du kurzfristig buchst, und eine Agentur, die dich proaktiv informiert, wenn sich etwas ändert.

  • Kernteam auf Minimalbedarf ausrichten, nicht auf Maximalvolumen
  • Agenturbeziehung als strategische Partnerschaft behandeln
  • Regelmässiges Feedback geben: Stammpool aufbauen
  • Jahresplanung früh mit Agentur teilen: Hochsaison-Kapazitäten sichern
  • Gleichbehandlung von temporärem und festem Personal im Alltag

Es gibt keine universelle Antwort

Temporär gewinnt bei projektbasierter, saisonaler und kapazitätsbasierter Arbeit. Fest gewinnt bei kontinuierlicher, wissensintensiver und beziehungsgetriebener Arbeit. Das Optimum liegt fast immer in der Kombination.

Temporär und Festanstellung lösen unterschiedliche Probleme. Wer beide Instrumente bewusst einsetzt, hat den grössten strategischen Vorteil. Wer die Entscheidung allein auf den Stundensatz reduziert, rechnet falsch. Die realen Kosten einer Festanstellung bei CHF 65'000 Bruttolohn liegen zwischen CHF 88'000 und 96'000. Temporäre kosten nur, wenn sie gebraucht werden.

Die richtige Frage ist nicht "Was ist günstiger?", sondern: "Welche Aufgabe braucht Kontinuität, und welche braucht Flexibilität?" Wer das einmal klar beantwortet hat, baut eine Organisation, die in Hochsaison skaliert, ohne in der Nebensaison fixe Lohnkosten zu tragen, die nichts produzieren.

Quellen

  1. swissstaffing (2023): Jahresbericht & Branchenstatistik. swissstaffing.ch
  2. GAV Personalverleih 2024–2027 (allgemeinverbindlich erklärt). swissstaffing.ch
  3. Statista: Statistiken zur Temporärarbeit in der Schweiz. statista.com
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